Blicke. Umherschweifend, suchend, verträumt, aufmerksam.
Ich spüre den seidigglatten Stoff, der meine Haut umsäumt und versuche es mit einem Lächeln. Ich habe meiner Großtante nicht zugehört, nun sieht sie mich erwartungsvoll an.
Zu abgelenkt bin ich, zu konzentriert suche ich den Raum ab. Meine Aufmerksamkeit ist so gefesselt, das es mit fast peinlich ist.
Ich spüre, wie meine Wangen zu pochen anfangen und murmele etwas von "Kurz aufs Klo". Alle Reden sie, über mich. Ob ich das mag oder nicht, frage ich mich still. Ja, ruft die laute Stimme, die grausam ist, die mein Gehirn vollends aufgefressen hat und mich beherrscht, mich kontrolliert, die Macht über alles übernommen hat.
Ich verschwinde in der Toilette, schließe mich in dem kleinen Raum mit Waschbecken ein, sehe mich an.
Müde Schatten unter den Augen.
Aufgeplatzte Lippen.
Blasse Haut, blass wie die einer Leiche.
Das Gesicht eingesunken, die Knochen stechen kantig hervor.
Lange spröde Haare, die dünner werden.
Trotz allem, denke ich. Wegen allem, sagte die kalte Stimme. Nur deswegen! Wegen mir.
Es ist Ana.
Wen ich suchte?
Ihn. Grüne Augen, wünschte, sie würden mich einen Moment in sich aufnehmen. Sein Blick würde nur einen Moment mit meinem verschmelzen.
Das tat er. Später, heute, immer.
Freitag, 7. März 2014
Rückfall
Die ersten Strahlen der kalte Morgensonne fallen in die Küche und blenden mich grell im Gesicht. Meine Mutter sitzt am Küchentisch, mein Magen knurrt, weil ich gestern beschlossen habe bis zum Sommer mehr Muskeln zu bekommen, einen Flachen Bauch dort, wo meiner Ansicht nach Speck ist, wo sich eigentlich eine Kuhe zwischen Rippen und Hüftknochen befindet. Also habe ich meine Kalorien wieder auf 1800 beschränkt.
Und dieser Morgen war so perfekt, so perfekt, rief die dunkle Stimme. Gebelndet von der Zufriedenheit, der Fröhlichkeit, die sich durch die Smmergefühle in meiner Familie breit machen, würde es niemandem auffallen.
Mein Müsli war alle, die Bananen auch. Für einen Apfel mit Joghurt war keine Zeit. Also ein halbes Vollkornbrot ohne Margarine mit dünnem Aufstrich, meine Mutter bemekrt es nicht. (ca. 120 kcal)
In der Schule ein Brot mit fettarmen Schmierkäse. Niemandem fällt etwas auf. (ca. 280kcal)
Zuhause nach dem Sportunterricht ein Brot, ein kleines Ei (Zerghühner, die meine Schwester im Garen hat, als seidas hier ein Bauernhof...) ein viertel Teller Spinat. (ca. 400kcal)
Mittags eine halbe Tasse (keine Ahnung wann ich mir angewöhnt habe alles in halben Tassen zu essen und warum ich es nicht sein lasse) Haferchrunchies mit Soja Light. (ca. 150kcal)
Und den kleinsten Apfel den ich finden konnte (ca. 50kcal)
Abends einen Früchtebecher (ca. 45kcal) und ein Brot mit Käse und Honig (ca. 300 kcal), sowie einem Müsli, diesesmal ein viertel Tasse (ca. 200kcal)
Gesamter Hungerstand des heutigen Tages: 1545kcal
Stolz? - Verdammte Scheiße und wie.
Aber ich bin mir sicher, morgen wird es mehr! Ich wünschte nur, mein Kopf könnte das ewige Rechnen, das Verlangen nach dem Nichts abstellen und ich könnte leben, so frei und unbeschwert, wie ein kleines Kind, das im Sandkasten Kuchen backt, ahnungslos von der dunklen Seite der Welt.
Donnerstag, 6. März 2014
Lebenszeichen
Mein Kopf schwirrt. Gefüllt mit Gedanken. Gedanken, die ich eigentlich loslassen sollte. Gedanken, die mich zerstören wollen. Sie zerren an mir, haften sich an mich und dringen tief in meinen Kopf ein.
Nachts, wenn die Dunkelheit sich über die Erdhalbkugel zieht ist der Terror in meinem Kopf kaum zu ersticken. Komme ich dann zur Ruhe wird es noch viel schlimmer.
Was würdest du dir wünschen, wenn du nur einen Wunsch frei hättest,der nur dich betreffen kann?, denke ich dann.
Ich wünschte, ich könnte zurückreisen, in eine Zeit, in der Essen Fröhlichkeit, Liebe und Trost bedeutete. In der Essen so selbstverständlich wie aufwachen war. In der ich ein anderer Mensch war. In der mein Kopf nicht gefült mit diesen elenden, quälenden Zahlen war.
Eure Milena♥
Nachts immer noch in stillen Gedanken.
Nachts, wenn die Dunkelheit sich über die Erdhalbkugel zieht ist der Terror in meinem Kopf kaum zu ersticken. Komme ich dann zur Ruhe wird es noch viel schlimmer.
Was würdest du dir wünschen, wenn du nur einen Wunsch frei hättest,der nur dich betreffen kann?, denke ich dann.
Ich wünschte, ich könnte zurückreisen, in eine Zeit, in der Essen Fröhlichkeit, Liebe und Trost bedeutete. In der Essen so selbstverständlich wie aufwachen war. In der ich ein anderer Mensch war. In der mein Kopf nicht gefült mit diesen elenden, quälenden Zahlen war.
Eure Milena♥
Nachts immer noch in stillen Gedanken.
Dienstag, 4. März 2014
Hungergefühle #1
Vor einem halben Jahr:
Quietschende Geräusche umgeben micih, als ich in Dortmund aus dem Zug aussteige. Gedrängel erfasst mich und zieht mich in die Unterwelt der Bahnsteige, in der es nach Rauch, Benzin und Müll stinkt. Meine Freundin hält meine Hand, damit wir uns nicht verlieren.
"Ich hab noch nichts gegessen", lässt sie mich wissen.
Ein Stich breitet sich in meinem Bauch aus. Ich schon, denke ich beschämt. Scheiße
Sofort suche ich an meinem knochigen Körper nach Fett, das sich angesetzt haben könnte, an den strechenden Knochen, über die sich Haut zieht.
Mir ist eiskalt bei 10°C. Die Kälte umfäng mich, hüllt mich ein, dringt zu mir vor und veruscht sich in jede zitternde Ecke meines Körpers auszubreiten.
"Ich auch nicht", lüge ich. "Ich hab überhaupt keinen Hunger!"
Sie zögert, nicht wegen imr, sondern um zu überlegen. Darf sie mir sagen, dass sie hunger hat?
"Ich schon, lass uns nach Pizza Hut", meint sie, zwingt sich zu lächeln und wir machen uns auf den Weg.
Ein köstlicher Geruch schwebt mir entgegen, als wir es uns in Piza HUt bequem machen. Ich fange noch bevor ich mir die Karte ansehe zu rechnen an. Ein Apfel ca. 70 kcal wenig Fett. Eine Möhre ca. 40 kcal kein Fett. Ein halbes Glas Sojamilch Light ca. 25 kcal wenig Fett. Gesamt: 135 kcal.
Allein eine Pizza hat 1000 kcal.
Was soll ich nur tun?
"Ich glaube ich nehm eine Magaritha", lässt meine Freudin mich wissen und leckt sich die Lippen.
Ich schaue mir nervös die Karte an. Ich will sie nicht beunruhigen. Will nicht, dass sie wieder sagt, ich esse viel zu wenig und dass sie nicht mehr mit mir essen gehen will, weil ich eh nichts esse.
Ich beginne zu schwitzen, obwohl mir gerade noch so eiskalt war. Angst macht sich in ir breit, nimmt meine Gedanken vollends ein, beherrscht mich.
Es fühlt sich an, als würde ich den Mund nicht mehr aufbekommen, als würde ich jeden Moment in verzweifelten Tränen ausbrechen.
"Ich auch. Bestellst du die, ich muss eben auf Toilette", sagte ich. Weil ich wusste, dass wenn eine dieser dünnen Kellnerinnen kommen würde, mich freundlich anlächeln würde und dann danach fragen würde, was ich gern hätte, ich nichts herausbringen würde, als "Einen kleinen Salat bitte, nur mit Essig"
Also verschwand ich ungefähr 20 Minuten auf der Toilette. Als ich raufkam, schoss mir sofort wieder der göttliche Geruch entgegen und ich sah sie Pizzen auf dem Tisch stehen und meine Freundin, die mich merkwürdig ansah.
"Sorry. Da unten war es vielleicht voll", meinte ich und musterte meine Pizza argwöhnisch.
Doch ich aß sie,bis ich mich fühlte, als würde ich platzen, so glücklich endlich wieder sorgenfrei zu essen. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, weil meine Freundin sogar eine große verputzte, seitdemgehen wir fast jeden Monat einmal dorthin.
Im Nachhinein glaube ich, dass ihr der satz herausgerutscht ist, dass sie nicht groß überlegt hat. Sie wollte mich nicht kränken, oder verletzen, sie war immer sehr rücksichtsvoll und dafür danke ich ihr.
Liebst♥
Milena,
voller Hoffnung
Kraf und
leckeren Erinnerungen
Sonntag, 2. März 2014
Körpergefühl (#2)
Ein halbes Jahr zuvor:
Flackerndes Licht, pochende Musik, schwitzende Körper, die sich im rhytmischen Tackt der Musik gegeneinanderdrängen. Eine allgegenwärtige Hitze umschwebt mich. Schweiß und Alkohol verschmelzen in der stickigen Luft zu einem unangenehmen Gemisch.
Ich frage mich, was ich hier machen. Warumhabe ich mich dazu bringen lassen herzukommen? Ich hätte lieber mit meinem Freund Sturmhöhe ansehen sollen. Er wäre eingeschlafen und ich hätte dreimal geweint, immer an denselben Stellen. Cathy stirbt, Heathcliff gräbt Cathy aus, Healthcliff sieht Cathy und stirbt. Ihre Liebe ist endlos, selbst nach dem Tod. Ich hätte zu meinem Freund herübergesehen, ihm die blonden Haare aus der Stirn gestrichen. In sein, im Schlaf so sorgloses Gesicht gestarrt, engelsgleich, und wäre unendlich glücklich gewesen.
Aber dort war ich nicht. Ich war auf der Party meiner besten Feundin, die eigentlich nur noch wütend auf mich war und mich als nervigen Ballast betrachtete.
Ich bahnte mir einen Weg aus dem gemieteten Raum und atmete draußen angekommen bittere Luft ein. Bitter, rauchig und stinkend, aber auch verlockend. Einer der Jungs bietet mir eine Zigarrete an. Ich lehne ab, nicht dankend, sondern müde. So schwach, dass ich mich gegen die kalte Steinmauer des Gebäudes lehne. Übelkeit dingt in mir auf und ich würde mich am liebsten Übergeben.
Ich frage mich, was ich hier machen. Warumhabe ich mich dazu bringen lassen herzukommen? Ich hätte lieber mit meinem Freund Sturmhöhe ansehen sollen. Er wäre eingeschlafen und ich hätte dreimal geweint, immer an denselben Stellen. Cathy stirbt, Heathcliff gräbt Cathy aus, Healthcliff sieht Cathy und stirbt. Ihre Liebe ist endlos, selbst nach dem Tod. Ich hätte zu meinem Freund herübergesehen, ihm die blonden Haare aus der Stirn gestrichen. In sein, im Schlaf so sorgloses Gesicht gestarrt, engelsgleich, und wäre unendlich glücklich gewesen.
Aber dort war ich nicht. Ich war auf der Party meiner besten Feundin, die eigentlich nur noch wütend auf mich war und mich als nervigen Ballast betrachtete.
Ich bahnte mir einen Weg aus dem gemieteten Raum und atmete draußen angekommen bittere Luft ein. Bitter, rauchig und stinkend, aber auch verlockend. Einer der Jungs bietet mir eine Zigarrete an. Ich lehne ab, nicht dankend, sondern müde. So schwach, dass ich mich gegen die kalte Steinmauer des Gebäudes lehne. Übelkeit dingt in mir auf und ich würde mich am liebsten Übergeben.
Ich weiß, dass die Jungs es auch wissen, spüre,wie ihr neugieriger Blick sich an meine Beine heftet. Oberschenkel, so dick wie Unterschenkel, die kaum die Kraft bieten sich auf den Beinen zu halten. Rippen, die man abählen könnte, wäre da nicht der weiche, weite Stoff, der über dem Skelett liegt, über dem hässlichen Etwas, das einmal so voller Freude, Liebe und Schönheit gewesen war, das sich über dem Abgrund gestürtzt hatte, das die Hölle durchlaufen hatte, das in dem Becken des Todes gefangen war, das erst gar nicht versuchte zu lernen, wie man schwimmt. Das sterben wollte, das Tod ein wollte, das nichts mehr sein wollte.
Elende Liebe, elneder Hunger nach Tod.
©Milena
♥Milena erinnert sich
ungern
an dunkle
Zeiten.
Abonnieren
Posts (Atom)